Kunstfasern
Kunstfasern sind eine sind eine preisgünstige und formbeständige Variante von Garnen. Man mischt sie gern mit den Naturfasern, wie Wolle oder pflanzlichen Garnen, um die Vorteile beider Fasern zu nutzen. Eine einfache Pflege und schnelles Trocknen zeichnen sie aus.
Im Unterschied zu Naturfasern werden synthetische Fasern chemisch erzeugt. Ein Beispiel: Für Polyester schmilzt man Polyestergranulat bei Temperaturen um 280 Grad Celsius und produziert daraus Polyesterfäden.
Sie sind elastisch und reißfest, laufen wenig bis gar nicht ein und trocknen schnell, da sie nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen. Sie sind knitterarm und für Menschen mit einer Allergie gegen Wolle gut geeignet.
Einige der gängigen Synthetikfasern, wie beispielsweise Polyacryl, Polyester oder Polyamid, werden größtenteils aus Erdöl gewonnen, was bedeutet, dass ihre Herstellung eng mit fossilen Brennstoffen verknüpft ist. Diese Fasern zeichnen sich durch ihre hohen Eigenschaften aus, da sie sehr robust und widerstandsfähig gegen verschiedene klimatische Einflüsse sind, was sie zu einer beliebten Wahl in der Textilindustrie macht. Die Fasern werden industriell und auf chemischer Basis hergestellt, was oft zu Fragen hinsichtlich ihrer Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit führt.
Lass uns tief eintauchen und herausfinden, wann Kunstfasern eine kluge Wahl für Handarbeitsprojekte sind – und wann du vielleicht lieber zu Alternativen greifst.
Was sind Kunstfasern?
Kunstfasern sind synthetische Fasern, die aus Erdöl oder anderen chemischen Stoffen gewonnen werden. Sie werden nicht, wie Wolle oder Baumwolle, gesponnen, sondern industriell extrudiert – ähnlich wie Spaghetti aus einer Maschine.
Die gängigsten Kunstfasern in Garnen sind:
Acryl – fühlt sich wollähnlich an, ist leicht, weich und warm
Polyester – strapazierfähig, formbeständig, schnelltrocknend
Polyamid (Nylon) – glatt, reißfest, elastisch
Elastan (Lycra, Spandex) – hochelastisch, meist in Mischungen enthalten
Diese Fasern haben die Handarbeitswelt revolutioniert, weil sie sich anfühlen und verarbeiten lassen wie Naturfasern – aber oft günstiger sind.
Vorteile von Kunstfasern beim Stricken & Häkeln
Preisgünstig & leicht verfügbar
Gerade für große Projekte wie Decken oder Pullover ist Acryl eine budgetfreundliche Alternative zu Wolle.Leicht & warm
Acryl ist voluminös und speichert Wärme gut, ohne schwer zu sein – ideal für kuschelige Schals oder Decken.Pflegeleicht
Kunstfasergarne sind maschinenwaschbar, trocknen schnell und verfilzen nicht, was sie für Alltagstextilien wie Babykleidung oder Spielzeug attraktiv macht.Vielfältige Farboptionen
Kunstfasergarne gibt es in knalligen, langanhaltenden Farben – perfekt für farbenfrohe Projekte wie Amigurumi oder bunte Schals.Allergikerfreundlich
Menschen mit Wollallergie können mit Acryl- oder Polyesterwolle ein wollähnliches Strickgefühl genießen, ohne Hautreaktionen befürchten zu müssen.
Nachteile & Herausforderungen beim Stricken & Häkeln mit Kunstfasern
Kein natürlicher Feuchtigkeitstransport
Kunstfasern nehmen kaum Feuchtigkeit auf, sodass gestrickte Pullover oder Mützen aus Acryl schnell schwitzig und unangenehm werden können.Plastikgefühl & statische Aufladung
Manche Acrylgarne fühlen sich künstlich an und können sich beim Stricken statisch aufladen, was unangenehm ist und dazu führen kann, dass das Garn an den Händen oder Nadeln klebt.Pilling & Abnutzung
Acryl neigt stark zum Pilling (Knötchenbildung), was dazu führt, dass gestrickte oder gehäkelte Werke mit der Zeit unschön aussehen können.Elastizität & Tragekomfort
Im Gegensatz zu Wolle oder Baumwolle hat Acryl wenig bis gar keine natürliche Elastizität, wodurch gestrickte Stücke schneller ihre Form verlieren können. Für enganliegende Kleidungsstücke wie Socken oder Handschuhe ist das ungünstig.Mikroplastik beim Waschen
Achtung Umweltproblem! Jedes Mal, wenn du dein Kunstfaser-Garn wäschst, lösen sich winzige Kunststofffasern, die als Mikroplastik in Flüsse und Meere gelangen.
Nachhaltigkeit von Kunstfasergarnen & Mikroplastikproblematik
Kunstfasern sind ein zweischneidiges Schwert:
Sie bestehen aus Erdöl, einem nicht erneuerbaren Rohstoff.
Die Produktion ist energieintensiv und setzt Treibhausgase frei.
Beim Waschen lösen sich feine Fasern, die als Mikroplastik in der Umwelt landen.
Mikroplastik – die unsichtbare Gefahr
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Kunstfasertextilien eine der größten Quellen für Mikroplastikverschmutzung sind. Pro Waschgang können bis zu 700.000 Fasern aus einem einzelnen Kleidungsstück in die Umwelt gelangen. Diese Partikel werden von Meerestieren aufgenommen und gelangen in unsere Nahrungskette.
Einige Studien deuten darauf hin, dass Mikroplastik gesundheitsschädlich sein könnte, weil es:
Schadstoffe an sich binden kann (z. B. Schwermetalle, Pestizide)
In menschliche Organe eindringen und dort möglicherweise Entzündungen verursachen kann
Hormonstörungen auslösen könnte, da es oft mit Weichmachern versetzt ist
Gibt es nachhaltige Alternativen?
Ja! Einige Unternehmen setzen auf recycelte Kunstfasern:
Recyceltes Polyester (rPET) aus alten PET-Flaschen ist umweltfreundlicher als neues Polyester.
Garn aus recyceltem Nylon wird oft aus alten Fischernetzen gewonnen (z. B. Econyl).
Diese Optionen helfen, Müll zu reduzieren, sind aber keine perfekte Lösung, da sie beim Waschen weiterhin Mikroplastik freisetzen.
Mikroplastik vermeiden beim Stricken & Häkeln:
Verwende Mischgarne mit Naturfasern (z. B. Wolle-Polyamid für Socken).
Nutze Mikroplastikfilter oder Guppyfriend Waschbeutel, um Mikroplastik beim Waschen zu reduzieren.
Wasche gestrickte oder gehäkelte Stücke aus Kunstfasern seltener und mit niedriger Schleuderzahl.
Wann eignen sich Kunstfasern für Handarbeitsprojekte?
Trotz aller Kritik gibt es gute Anwendungsbereiche für Kunstfasergarne beim Stricken und Häkeln:
Gut geeignet für:
- Decken & Kissen: Pflegeleicht und in vielen Farben erhältlich.
- Amigurumi & Deko: Strukturierte Figuren profitieren von Acryl, da es gut seine Form hält.
- Babykleidung & Kuscheltiere: Maschinenwaschbar und weich – aber auf Qualität achten!
- Garn für Anfänger: Günstig und leicht zu verarbeiten, gut für erste Strick- oder Häkelversuche.
- Socken mit Polyamid-Anteil: Polyamid sorgt für Langlebigkeit und verhindert zu starken Abrieb.
Weniger geeignet für:
- Sommertops & leichte Kleidung: Polyester oder Acryl sind nicht atmungsaktiv und können sich unangenehm anfühlen.
- Wintermützen oder Pullover, die Feuchtigkeit transportieren sollen: Kunstfasern halten zwar warm, aber können schwitzig werden.
- Nachhaltige Projekte: Wer auf Umweltfreundlichkeit achtet, greift besser zu Baumwolle, Wolle oder Lyocell.
Fazit:
Kunstfasern bewusst nutzen
Kunstfasern bieten für Stricker und Häkler viele Vorteile – besonders für Anfänger, Budgetprojekte und pflegeleichte Stücke. Doch Umweltaspekte dürfen nicht ignoriert werden, da Mikroplastik und die Herstellung problematisch sind.
Mein Tipp: Wenn Kunstfaser, dann bewusst!
Mischgarne aus Wolle-Polyamid oder Baumwolle-Polyester wählen
Auf recycelte Kunstfasern achten
Weniger waschen & Mikroplastikfilter nutzen
Für nachhaltige Projekte lieber zu Naturfasern oder Regeneratsfasern wie Lyocell oder Modal greifen
Kunstfaser-Garne sind also ein praktisches Werkzeug – aber wie bei jeder Handarbeit kommt es auf den bewussten Einsatz an. Was für dein Projekt am besten funktioniert, hängt davon ab, was du machen möchtest!